Produktion

Drehtag vorbereiten: Material für Wochen an einem Tag

Drehtag für Social-Media-Videos vorbereiten: Skripte vorab, Drehplan-Vorlage mit Zeitblöcken, Licht, Ton, Einwilligungen und was nach dem Dreh passiert.

Von Ali Barazesh · · 7 Min. Lesezeit

Filmteam mit Kameras, Leuchten und Monitoren bei einem Dreh in einer Halle
Foto von Jakob Owens auf Unsplash · Unsplash-Lizenz
Inhalt
  1. Warum ein Drehtag besser ist als jeden Tag ein bisschen
  2. Zwei Wochen vorher: Skripte schreiben und freigeben
  3. Eine Woche vorher: Drehplan, Location, Outfits
  4. Am Vortag: Technik, Ton, Licht
  5. Einwilligungen: vor dem Dreh, nicht danach
  6. Am Drehtag: Teleprompter, Stichpunkte oder Satz für Satz
  7. Nach dem Drehtag: Schnitt, Freigabe, Veröffentlichung
  8. Checkliste für deinen Drehtag
  9. Den Drehtag abgeben
  10. Quellen
  11. Häufige Fragen

Kurz gesagt

Einen Drehtag bereitest du vor, indem du alle Skripte vorab schreibst und freigibst, einen Drehplan mit Zeitblöcken nach Location und Outfit erstellst, Licht und Ton klärst und Einwilligungen aller Personen im Bild einholst. So entsteht an einem Tag Material für mehrere Wochen, ohne dass der Betrieb lange stillsteht.

Die meisten Social-Media-Kanäle scheitern nicht an fehlenden Ideen, sondern am Alltag. Jeden Tag spontan ein Video zu drehen, klappt zwei Wochen lang. Dann kommt eine volle Woche, ein Kunde, ein Termin, und der Kanal schläft ein. Die Lösung heißt Batch-Produktion: Alle Videos für mehrere Wochen entstehen an einem gut vorbereiteten Drehtag.

Dieser Artikel zeigt dir aus Produzentensicht, wie du einen Drehtag vorbereitest, damit er entspannt läuft und am Ende wirklich genug brauchbares Material da ist.

Warum ein Drehtag besser ist als jeden Tag ein bisschen

Batch-Produktion hat drei Vorteile, die mit spontanem Filmen kaum zu erreichen sind:

  • Planbarkeit: Du blockst einen Tag im Monat und weißt, dass der Kanal danach wochenlang läuft.
  • Qualität: Licht, Ton und Aufbau stehen einmal und bleiben gleich. Die Videos wirken wie aus einem Guss.
  • Weniger Störung: Der Betrieb wird einmal unterbrochen statt jeden Tag ein bisschen.

Der Preis dafür ist Vorbereitung. Ein Drehtag ohne Skripte wird zu einem langen Tag, an dem vor der Kamera überlegt wird, was man sagen könnte. Deshalb liegt die eigentliche Arbeit vor dem Drehtag.

Zwei Wochen vorher: Skripte schreiben und freigeben

Der wichtigste Schritt ist, jedes Video vorab zu skripten. Nicht Wort für Wort, aber so, dass klar ist, was gesagt und gezeigt wird.

Ein Skript für ein kurzes Video braucht vier Teile:

TeilInhaltBeispiel für eine Steuerberatung (Vorlage)
HookErster Satz und erstes BildDiesen Beleg werfen fast alle Selbstständigen weg.
InhaltDie eigentliche Aussage in zwei bis vier SätzenWarum er wichtig ist und wie man ihn aufbewahrt
HandlungGenau ein nächster SchrittSchreib uns BELEG, und wir schicken dir die Liste.
BildWas zu sehen istSchreibtisch, Hand hält Beleg, dann Person spricht in die Kamera

Plane außerdem zwei Hook-Varianten für die wichtigsten Videos ein. Am Drehtag kostet das nur Sekunden, später kannst du testen, welcher Einstieg besser funktioniert. Wie gute Hooks entstehen, erklärt der Leitfaden Hooks, die funktionieren.

Wichtig: Alle Skripte werden vor dem Drehtag freigegeben. Änderungen am Drehtag kosten Zeit und Konzentration. Bei Viral mit Ali gilt deshalb unsere Skript-Garantie: Gefallen dir die ersten Skripte nicht, schreiben wir sie neu, bevor gedreht wird.

Eine Woche vorher: Drehplan, Location, Outfits

Drehplan nach Location und Outfit sortieren

Der häufigste Fehler ist, Videos in der Reihenfolge der Veröffentlichung zu drehen. Sortiere stattdessen nach Ort und Kleidung, damit du nicht fünfmal umbaust und dich dreimal umziehst.

Drehplan-Vorlage für einen Tag:

ZeitBlockLocationOutfitVideosPersonen
08:00Aufbau, Licht- und Tontest, EinwilligungenHauptlocationalle
08:45Block 1: Sprechvideos in die KameraBüro oder ruhiger RaumOutfit AVideo 1 bis 5Hauptperson
10:30Pause, Umbau
10:45Block 2: Hinter den Kulissen, ArbeitsszenenWerkstatt, Küche, VerkaufsraumOutfit BVideo 6 bis 9Hauptperson, Team
12:30Mittagspause
13:15Block 3: Team und Porträtswechselndeigene KleidungVideo 10 bis 13Mitarbeiter einzeln
14:45Block 4: AußenaufnahmendraußenOutfit CVideo 14 bis 16Hauptperson
16:00Schnittbilder: Details, Hände, Produkte, Räumealle Locationsfür alle Videos
17:00Sicherung der Daten, Abbau

Die Zeiten sind eine Vorlage. Plane Pausen fest ein: Wer vier Stunden ohne Pause vor der Kamera spricht, wirkt am Nachmittag müde.

Wie viele Videos sind realistisch?

Eine Planungsrechnung mit Annahmen: Ein vorbereitetes kurzes Video braucht mit Umbau, mehreren Takes und Schnittbildern oft 20 bis 30 Minuten. Bei rund sechs bis sieben Stunden reiner Drehzeit ergibt das etwa zwölf bis zwanzig kurze Videos. Bei zwei bis drei Veröffentlichungen pro Woche reicht das für mehrere Wochen. Sprechvideos gehen schneller, Szenen mit mehreren Personen langsamer. Plane lieber etwas weniger und dafür gut.

Location

  • Ruhe: Gibt es Lärm von Straße, Lüftung, Kühlschrank oder Kaffeemaschine? Was sich nicht abschalten lässt, stört den Ton.
  • Platz: Kamera und Licht brauchen Abstand zur Person, meist mehr, als man denkt.
  • Hintergrund: Aufgeräumt, aber nicht steril. Ein Hintergrund, der zu deinem Unternehmen passt, ist besser als eine weiße Wand.
  • Strom: Steckdosen in der Nähe für Licht und Akkus.

Outfits

Bring zwei bis drei Outfits mit, damit nicht alle Videos gleich aussehen. Vermeide feine Streifen und kleine Karos, die auf Bildschirmen flimmern können, sowie große Logos fremder Marken.

Am Vortag: Technik, Ton, Licht

Ton kommt vor Bild

Ein Ansteckmikrofon verbessert ein Video mehr als eine neue Kamera. Prüfe am Vortag, ob Akkus geladen und Speicherkarten leer sind, und mach eine Testaufnahme im Raum, in dem gedreht wird.

Licht von vorn, nie von hinten

  • Die Person steht mit dem Gesicht zum Fenster oder zur Leuchte, nicht mit dem Rücken.
  • Mischlicht vermeiden: warmes Lampenlicht und kaltes Tageslicht gleichzeitig verfälschen Hautfarben.
  • Wenn die Sonne wandert, die Sprechvideos auf die Zeit legen, in der das Licht ruhig ist.

Hochkant und quer

Kläre vorab, ob nur hochkant für Reels, TikTok und Shorts gedreht wird oder auch quer für YouTube. Wenn beides entstehen soll, wird entweder mit zwei Kameras gedreht oder so, dass die wichtigen Inhalte in der Bildmitte liegen. Mehr dazu in YouTube für Unternehmen.

Einwilligungen: vor dem Dreh, nicht danach

Sobald Mitarbeiter, Kunden oder Gäste im Bild sind, brauchst du ihre Einwilligung. Nach § 22 Kunsturhebergesetz dürfen Bildnisse grundsätzlich nur mit Einwilligung der abgebildeten Person verbreitet werden. Praktisch heißt das:

  • Einwilligungen schriftlich und vor dem Dreh einholen.
  • Klar beschreiben, wofür die Aufnahmen genutzt werden, zum Beispiel Instagram, TikTok, YouTube und Website.
  • Regeln, was passiert, wenn jemand das Unternehmen verlässt.
  • Bei Minderjährigen die Erziehungsberechtigten einbeziehen.

Dieser Abschnitt ist keine Rechtsberatung. Lass deine Einwilligungsvorlage im Zweifel rechtlich prüfen.

Am Drehtag: Teleprompter, Stichpunkte oder Satz für Satz

Es gibt drei Wege, Texte vor der Kamera zu sprechen:

MethodeVorteilNachteilPasst für
TeleprompterText sitzt, auch bei langen PassagenKann hölzern wirken, Blick wandert sichtbarlängere YouTube-Videos, geübte Sprecher
StichpunkteWirkt natürlich und spontanMehr Versprecher, längere Takeserfahrene Sprecher, Meinungsvideos
Satz für Satz mit RegieNatürlich und trotzdem präzise, jeder Satz kann wiederholt werdenBraucht jemanden, der führt, und einen guten Schnittkurze Videos, Menschen mit wenig Kameraerfahrung

Für die meisten Unternehmer und Mitarbeiter funktioniert der dritte Weg am besten. Jemand hinter der Kamera sagt den Satz vor oder erinnert an den Gedanken, die Person spricht ihn in eigenen Worten. So führen wir bei Viral mit Ali durch Drehtage: mit eigener Kamera, Licht und Ton und Satz für Satz.

Drei Regeln am Drehtag:

  1. Der Hook wird mehrmals gedreht. Er ist der wichtigste Satz des Videos.
  2. Schnittbilder nicht vergessen. Hände, Details, Räume, Produkte. Sie retten später jeden Schnitt.
  3. Daten sofort sichern. Am Ende des Tages auf zwei getrennte Speicher kopieren, bevor jemand nach Hause geht.

Nach dem Drehtag: Schnitt, Freigabe, Veröffentlichung

Mit dem Drehtag ist erst die Hälfte geschafft. Danach folgt:

  • Auswahl: die besten Takes pro Video markieren.
  • Schnitt: Tempo, Untertitel, Text im Bild für den Hook, hochkant für jede Plattform.
  • Freigabe: kurze Runde mit klaren Rückmeldungen, am besten gesammelt statt einzeln.
  • Planung: Veröffentlichungsplan für die nächsten Wochen mit festen Tagen.
  • Auswertung: nach einigen Wochen prüfen, welche Videos Anfragen gebracht haben, und daraus die Themen für den nächsten Drehtag ableiten.

Checkliste für deinen Drehtag

  • Alle Skripte sind geschrieben und freigegeben
  • Die wichtigsten Videos haben zwei Hook-Varianten
  • Der Drehplan ist nach Location und Outfit sortiert
  • Pausen sind fest eingeplant
  • Location ist auf Lärm, Platz, Hintergrund und Strom geprüft
  • Zwei bis drei Outfits ohne feine Muster und fremde Logos liegen bereit
  • Mikrofon, Akkus und Speicherkarten sind am Vortag geprüft
  • Licht kommt von vorn, Mischlicht ist vermieden
  • Hochkant und quer sind geklärt
  • Schriftliche Einwilligungen aller Personen im Bild liegen vor
  • Liste für Schnittbilder ist vorbereitet
  • Datensicherung auf zwei Speicher ist geplant

Den Drehtag abgeben

Wenn du dir den Tag lieber freihältst für das, was du am besten kannst: Wir bei Viral mit Ali, einer Social-Media- und Videoproduktions-Agentur aus München, schreiben die Skripte, bringen Kamera, Licht und Ton mit, führen dich durch den Dreh und schneiden die Videos plattformgerecht. Vom Kick-off bis zu den ersten veröffentlichten Videos rechnen wir mit rund vier Wochen. Wie das in deiner Branche aussieht, siehst du auf den Seiten für Fahrschulen, Gastronomie, Coaches und Unternehmer. Ob es passt, zeigt dir der Projekt-Check starten in 60 Sekunden.

Quellen

Häufige Fragen

Wie viele Videos kann man an einem Drehtag aufnehmen?

Das hängt von Länge, Locations und Personen ab. Als grobe Planungsrechnung gilt: Ein vorbereitetes kurzes Video mit Umbau braucht oft 20 bis 30 Minuten. Bei sechs bis sieben Stunden reiner Drehzeit sind damit etwa zwölf bis zwanzig kurze Videos realistisch, wenn Skripte und Ablauf vorher stehen.

Muss ich Texte auswendig lernen?

Nein. Bei kurzen Videos funktionieren Stichpunkte und kurze Sätze oft natürlicher als auswendig gelernte Texte. Ein Teleprompter hilft bei längeren Passagen, kann aber hölzern wirken, wenn man ihn nicht gewohnt ist. Am besten dreht man Satz für Satz mit jemandem, der führt.

Was ziehe ich beim Dreh an?

Kleidung, die zu deinem Alltag passt und in der du dich wohlfühlst. Vermeide feine Streifen und kleine Karos, weil sie auf dem Bildschirm flimmern können, und große Logos anderer Marken. Bring zwei bis drei Outfits mit, damit Videos später nicht alle gleich aussehen.

Brauche ich eine Einwilligung von Mitarbeitern und Kunden?

Ja. Nach § 22 Kunsturhebergesetz dürfen Bildnisse grundsätzlich nur mit Einwilligung der abgebildeten Person verbreitet werden. Hol die Einwilligung vor dem Dreh schriftlich ein und kläre, was mit Videos passiert, wenn jemand das Unternehmen verlässt. Im Zweifel lass das rechtlich prüfen.

Was ist wichtiger, Licht oder Ton?

Ton. Zuschauer verzeihen ein etwas dunkleres Bild eher als schlecht verständlichen Ton. Ein Ansteckmikrofon verbessert die Qualität deutlicher als eine teurere Kamera.

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